Vielleicht stottert dein Kind zuhause nur wenig, aber in der Kita, vor der Klasse oder beim Vorlesen wird es plötzlich stärker. Vielleicht sagt die Lehrkraft: „Wir wissen nicht, wie wir reagieren sollen.“ Genau dann brauchen Eltern keine Schuldgefühle, sondern einen ruhigen Plan.

Ich kenne diesen Druck aus meiner eigenen Schulzeit. Dieses Gefühl: Bitte nicht aufrufen. Bitte nicht vorlesen. Bitte nicht meinen Namen sagen müssen. Deshalb ist mir wichtig: Es geht nicht darum, das Kind perfekt sprechen zu lassen. Es geht darum, Druck aus den Situationen zu nehmen.

Warum Schule und Kita Stottern verstärken können

Schule und Kita sind voller kleiner Sprechprüfungen: Namen sagen, antworten, vorlesen, etwas erklären, sich in der Gruppe behaupten. Für ein stotterndes Kind kann schon der Moment schwierig sein, in dem alle warten.

Viele Kinder entwickeln dann Vermeidung: nicht melden, leiser werden, kurze Antworten geben oder sagen „Ich weiß nicht“, obwohl sie es wissen. Das ist kein Trotz. Das ist oft Schutz vor einem peinlichen Moment.

Was Eltern konkret tun können

Erstens: zuhause nicht kontrollieren. Kein „Sag es nochmal langsam“, kein Satz-Beenden, kein ständiges Beobachten. Dein Kind soll spüren: Ich darf sprechen, auch wenn es gerade nicht flüssig ist.

Zweitens: mit Schule oder Kita sprechen. Ein kurzes Gespräch reicht oft: „Unser Kind stottert. Bitte lassen Sie es ausreden, beenden Sie keine Sätze und geben Sie beim Vorlesen Wahlmöglichkeiten.“

Drittens: das Kind einbeziehen. Frage nicht vorwurfsvoll, sondern ruhig: „Was wäre für dich in der Schule leichter?“ Manche Kinder wollen, dass die Lehrkraft Bescheid weiß. Andere möchten erst einmal unauffällig entlastet werden.

„Das Ziel ist nicht, jedes Stottern sofort zu verhindern. Das Ziel ist, dass dein Kind sich nicht für sein Sprechen schämt.“

Was Lehrkräfte und Erzieher wissen sollten

Stottern wird durch Zeitdruck, Unterbrechen und sichtbare Ungeduld oft stärker. Hilfreich ist eine ruhige, normale Reaktion: warten, Blickkontakt halten, den Inhalt ernst nehmen.

Beim Vorlesen, Morgenkreis oder Präsentieren helfen Wahlmöglichkeiten. Nicht jedes Kind will komplett verschont werden. Aber es sollte nicht überraschend vorgeführt werden.

Wenn andere Kinder hänseln: Was du als Elternteil sagen kannst

Als Kind war ich selbst mehr als einmal das Ziel von Hänseleien wegen meines Stotterns. Es ist eine der schlimmsten Erfahrungen, die ein Kind machen kann — und als Elternteil bist du oft hilflos, weil du nicht dabei sein kannst.

Was ich damals gebraucht hätte: kein Mitleid und keine Dramatik — aber auch kein „Ach, das ist doch nicht so schlimm.“ Hilfreich ist, das Erlebnis ernst zu nehmen und dem Kind Sätze zu geben, die innerlich stärken.

Konkrete Sätze, die du deinem Kind mitgeben kannst: „Wenn jemand sich lustig macht, sagt das mehr über ihn als über dich.“ Oder: „Du musst nicht perfekt sprechen, um gehört zu werden.“ Das klingt klein, kann aber Sicherheit geben.

Schulwechsel, neue Gruppe oder neue Kita

Für viele stotternde Kinder ist ein Klassenwechsel oder ein neuer Schulstart beides gleichzeitig: Chance und Angst. Die Chance: Niemand kennt dich, niemand hat alte Bilder von dir. Du kannst von vorn anfangen. Die Angst: Sich wieder vorstellen müssen, neue Gruppe, neuer Lehrer, neue Dynamik.

Was du als Elternteil tun kannst: Die Situation vorbereiten — nicht durch Üben von perfektem Sprechen, sondern durch ruhiges Durchspielen. Was hilft, wenn jemand nach dem Namen fragt? Was darf die Lehrkraft wissen? Was soll lieber nicht vor allen thematisiert werden?

Ein Schulwechsel ist auch für stotternde Erwachsene ein bekanntes Muster — neue Jobs, neue Gruppen, neue Anfänge. Wie man als Erwachsener damit umgeht, beschreibe ich im Ratgeber Stottern bei Erwachsenen.

Meine eigene Schulzeit — eine ehrliche Rückschau

Was mir gefehlt hat: Jemand der mir sagt, dass es andere gibt die auch stottern. Dass es kein Makel ist. Dass man damit ein volles, erfülltes Leben führen kann. Das hat mir niemand gesagt — ich musste es selbst herausfinden.

„Wenn du diesen Artikel liest, bist du schon weiter als die meisten Eltern. Du informierst dich. Du nimmst es ernst, ohne zu dramatisieren. Das ist das Beste, was du für dein Kind tun kannst.“

Wann ist fachliche Abklärung sinnvoll?

Wenn dein Kind sichtbar kämpft, leidet, Sprechsituationen vermeidet oder Schule/Kita zunehmend belastend werden, ist eine kinderärztliche oder spezialisiert logopädische Abklärung sinnvoll. Mein Coaching ersetzt keine Diagnostik und keine Behandlung deines Kindes.

Was ich ergänzend tun kann: Eltern helfen, die Situation ruhig zu sortieren. Was passiert genau? Wo entsteht Druck? Welche Reaktionen helfen im Alltag — und welche machen es unbeabsichtigt schwerer?

Unsicher, was du Schule oder Kita sagen sollst?

Schilder mir Alter, Beginn, typische Situationen und was in Schule oder Kita passiert. Ich lese es persönlich und antworte per E-Mail.

Situation schriftlich schildern

Häufige Fragen

Mein Kind stottert in Schule oder Kita — was soll ich tun?

Ruhig bleiben, ausreden lassen und mit Schule oder Kita sachlich sprechen. Bitte darum, dein Kind nicht zu unterbrechen, nicht zu verbessern und bei Vorlesen oder Sprechen vor der Gruppe Wahlmöglichkeiten zu geben.

Soll die Lehrkraft oder Kita Bescheid wissen?

Ja, wenn dein Kind dort unter Druck gerät. Ein kurzes, ruhiges Gespräch hilft oft mehr als langes Erklären.

Wann ist fachliche Abklärung sinnvoll?

Wenn dein Kind leidet, stark kämpft, vermeidet oder das Stottern anhält, ist kinderärztliche oder spezialisiert logopädische Abklärung sinnvoll.

Sind Eltern schuld?

Nein. Eltern verursachen Stottern nicht. Sie können aber helfen, zusätzlichen Druck kleiner zu machen.

Kann ich die Situation zuerst schriftlich schildern?

Ja. Schreib Alter, seit wann es auffällt, was in Schule oder Kita passiert und wie dein Kind reagiert. Andreas liest es persönlich und antwortet per E-Mail.

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Andreas Berg — Der Stottercoach

Ich habe selbst viele Jahre gestottert und kenne den Druck in Schule, Alltag und Beruf aus eigener Erfahrung. Heute helfe ich Eltern, schwierige Situationen ruhiger einzuordnen — ohne Schuldzuweisung und ohne Diagnoseversprechen. Mehr über mich →

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Dein Kind kämpft in der Schule?

Schreibe Alter, Beginn, Schule/Kita-Situation und ob dein Kind darunter leidet. Andreas antwortet persönlich per E-Mail.

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